WALLFAHRT IM PASTORALEN RAUM TIERGARTEN-MOABIT-WEDDING

vom 20. bis 22. Oktober 2017

 

Unsere Pfarreien im Pastoralen Raum Tiergarten-Wedding rücken immer mehr zusammen. Um uns näher kennenzulernen, fand von Freitag, dem 20. Oktober 2017, bis Sonntag, dem 22. Oktober 2017, eine Wallfahrt unseres Pastoralen Raumes u.a. zur Wallfahrtskirche St. Marienstern (Zisterzienserinnenabtei) im Bistum Dresden statt.

 

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Zum einander Kennenlernen der Mitglieder aus den betroffenen Pfarreien unseres neu zu bildenden Pastoralen Raumes in dem o.g. Raum wurde diese Wallfahrt ins Bistum Dresden-Meißen organisiert. Rund 80 Gemeindemitglieder machten sich am Freitag, 20. Oktober 2017, nach dem durch Pfarrer Dr. Pulsfort gespendeten Reisesegen, gegen 13:15 Uhr in zwei Bussen auf die Reise nach der Bildungsstätte Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz. Ein Ortsteil der Stadt Bautzen liegt ca. 50 km von der sächsischen Hauptstadt Dresden entfernt. Unterwegs verkürzten wir uns die Zeit mit Volkslieder singen und hörten gespannt Horst Nicola Kaya und seinem Weg der Berufung zum Diakon zu. Im St. Benno-Haus nahmen wir am späten Nachmittag Quartier. Zügig waren alle Zimmer zugewiesen und dann war es ja auch schon Abendbrotzeit. Uns erwartete ein sehr lecker zubereitetes warmes u. kaltes Abendessen im gemeinsamen Speisesaal des Haupthauses. Das Bischof-Benno-Haus, ehedem ein Rittergut, ist modern ausgestattet und liegt idyllisch abgelegen in einem schönen Park.

Am gleichen Abend veranstalteten 2 Musiker einen sorbischen Abend im Gesellschaftsraum der ehemaligen Scheune, die heute auch noch so genannt wird. Zwischen den musikalischen Darbietungen erhielten wir etwas mehr Information zu der sorbischen Bevölkerung, ihrer Kultur und historischen Hintergrund. In der ehemaligen Scheune ist auch die Kirche untergebracht, die gleichzeitig auch als Veranstaltungsraum dient. Als einen solchen durften wir die Kirche am 2. Abend erfahren, als wir das Vergnügen hatten, einem Konzert des „Klezmer-Duo“ beizuwohnen. Zwei Musiker aus Wien, einer davon ursprünglich aus Polen und der zweite aus Russland, unterhielten uns mit ihrer typisch lebendigen Klezmer-Musik, welche das ganze Publikum mitriss. Im Anschluss gingen die meisten von uns noch auf ein Glas in den Gesellschaftsraum der Scheune. Dort ließen wir im gemütlichen Beisammensein den Abend ausklingen, bis wir die richtige Bettschwere verspürten. Unser Diakon Olaf ließ es sich, aufgrund des großen Andrangs, nicht nehmen, die dortige Kellnerin beim Zapfen der Biere zu unterstützen.

Den Samstag begannen wir vor dem Frühstück mit einer gemeinsamen Messe. Danach war ein Ausflug nach Bautzen und Görlitz jeweils mit Stadtführung vorgesehen. Bautzen, als älteste Stadt der Oberlausitz, liegt nur ¼ Std. weg vom Quartier. Dort erwarteten uns bereits 2 Stadtführer in mittelalterlicher Tracht, die jeweils eine Gruppe von uns durch die Stadt und in den Dom St. Petri führten. Bautzen wird auch Stadt der Türme genannt. Innerhalb der alten Stadtmauern befinden sich derer 17 von insgesamt sind 24 Türmen. Mit fast 84 m Höhe prägt der bewohnte Turm des Domes St. Petri die Silhouette der Stadt. Bis 1980 war Bautzen Bistumssitz von Dresden Meißen. Der sehr sehenswerte Dom wird bis in die heutige Zeit als Simultankirche gemeinsam von den evangelischen als auch von den katholischen Christen (nach Stundenplan) genutzt. Besonders bemerkenswert finde ich, dass ein Bild vom Letzten Abendmahl auf der linken Seite mittig im Dom aufgehängt wurde. Es hängt genau zwischen dem evangelisch und dem katholischen Bereich des Domes. Die reiche Innenausstattung lohnt eine Sonderführung dieses Bauwerks. Quer durch die Stadt mit heute 57.000 Einwohnern führt die ehemalige Handelsstraße „via regia“. Heute würde man sie Europastraße nennen. Durch Bautzen fließt – wie durch Berlin – die Spree. Sie umfließt die steilen Granitfelsen der imposanten tausendjährigen Altstadt. Einer der imposantesten Türme, ist sicher die „Alte Wasserkunst“. Nachdem im 15. Jahrhundert die 86 Brunnen der Stadt nicht genügend Wasser bereitstellen konnten, kam es zum Bau der ersten Wasserkunst in Bautzen. Die heutige Form der steinernen Wasserkunst, nachdem die hölzerne Konstruktion niedergebrannt war, erhielt der Turm 1558 von dem damaligen Ratsbaumeister, Wenzel Röhrscheidt d. Ä. Die Besonderheit des Bauwerkes ist die Einbindung in die Stadtbefestigung von Bautzen, wodurch die Wasserkunst als Wehrturm ihre markante Form bekam. Neben vielen prächtigen barocken Fassaden, den Straßen und Gassen, die ihre mittelalterliche Führung in der Altstadt bewahrten, ist auch die gotische Ortenburg mit ihren steilen Renaissancegiebeln und der „schiefe Turm“ von Bautzen zu erwähnen. Dieser Turm, Reichenturm genannt, besitzt eine Neigung von 144cm!

 

Bautzen erlangte ab 1950 im geteilten Deutschland sowohl in Ost als auch in West Bekanntheit, da die DDR hier einen „Stasi-Knast“ unterhielt. Dieses Gefängnis war bereits 1904 als modernstes Gefängnis im Königreich Sachsen errichtet worden und wurde 1923 mit dem 1906 errichteten Gefängnis Bautzen II zu den „Vereinigten Gefangenenanstalten“ zusammengeschlossen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden sowohl in Bautzen I, als auch in Bautzen II vermehrt politische Gegner inhaftiert. Ab 1941 wurden in Bautzen II auch Widerstandskämpfer aus den besetzen Gebieten inhaftiert, wobei es häufig zu Misshandlungen der Gefangenen durch die Wärter kam. Nach dem Krieg errichtete die Sowjetische Militäradministration auf dem Gelände der Haftanstalt das „Speziallager Nr. 4“. Nachdem zunächst nur NS- und Kriegsverbrecher interniert worden waren, wurden ab 1946 auch vermehrt verurteilte Stalinismus-Gegner inhaftiert. Nachdem die DDR im Februar 1950 Bautzen I übernommen hatte, kam es zu 2 Häftlingsaufständen, die von der Deutschen Volkspolizei niedergeschlagen wurden. Im Zuge dessen gelangten 2 Briefen von Häftlingen nach Westdeutschland, die von Herbert Wehner auf dem SPD-Parteitag vorgelesen wurden. Somit wurde die Bevölkerung in beiden Teilen Deutschlands auf Bautzen als Ort politischer Verfolgung aufmerksam und die Bezeichnung „Gelbes Elend“ in Anspielung auf die gelben Klinkerfassaden und -mauern war geboren. Nach der Wende wurde Bautzen I eine Justizvollzugsanstalt des Landes Sachsen und ist bis heute als Gefängnis für Männer in Betrieb. Bautzen II, die Sonderhaftanstalt der Staatssicherheit, in der Republikflüchtlinge, Fluchthelfer und andere politische Gefangene eingesperrt waren, wurde 1992 geschlossen und ist seitdem Gedenkstätte. Ein Besuch wäre sicherlich beeindruckend gewesen, ließ sich aber in der Kürze des Wochenendes nicht realisieren.

Nach dem Besuch in Bautzen fuhren wir nach Görlitz weiter, wo wir auch eine Stadtführung bekamen. Görlitz ist seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die östlichste Stadt Deutschlands. Von Kriegseinwirkungen verschont ist die Stadt auf Grund der unversehrten Altstadt und der geschlossenen Gründerzeitbebauung ein beliebter Filmdrehstandort, was der Stadt den Spitznamen „Görliwood“ einbrachte. Hollywood-Filme wie „In 80 Tagen um die Welt“, „Der Vorleser“ oder „Inglourious Besterds“ wurden u.a. in Görlitz gedreht. 1913 entstand am Demianiplatz das Görlitzer Warenhaus nach dem Muster des Berliner Kaufhauses Wertheim. Derzeit geschlossen diente es im Winter 2012/2013 als Filmkulisse für den Film „Grand Budapest Hotel“. Auch am Demianiplatz gelegen ist das Görlitzer Theater, welches 1851 errichtet wurde und 500 Zuschauer beherbergt. Der Dramatiker und Schriftsteller Gerhart Hauptmann war hier häufiger zu Gast. Görlitz wurde am 27. Juni 1994 zum Bistum erhoben und ist von der Katholikenzahl jedoch nicht von der Fläche das kleinste Bistum Deutschlands. Bischofskirche ist die von 1898 – 1900 nach Plänen des Architekten Joseph Ebers errichtete Kathedrale St. Jakobus. Trotz zahlreicher Stilllegungen in den neunziger Jahren ist die größte Stadt der Oberlausitz bis heute ein großer Industriestandort. So kommen die roten Doppelstockwagen der Deutschen Bahn aus Görlitzer Produktion, wie auch der legendäre Fliegende Hamburger hier gebaut wurde, der ab 1932 zwischen Berlin und Hamburg verkehrte. Durch Görlitz verläuft ferner der 15. Grad östlicher Länge, welches durch einen Meridianstein im Stadtpark symbolisiert wird.

 

Am Sonntagmorgen fuhren wir, nachdem wir alle ausgecheckt und unsere Busse erreicht hatten zur Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt nach Rosenthal, wo wir zusammen mit der ansässigen Gemeinde das Hochamt feierten. Einige Gottesdienstbesucher staunten nicht schlecht, wie voll die Kirche auf einmal war. Von dort aus fuhren wir weiter nach Panschwitz-Kuckau, um die dortige Klosteranlage St. Marienstern zu besichtigen. Die Zisterzienserinnen-Abtei gehört seit ihrer Gründung im Jahre 1248 zu den wenigen Ordenshäusern, die ohne Unterbrechung Bestand haben. Die spätgotische Abteikirche zählt zu den ältesten Gebäuden des Klosters, das in 7 Joche gegliedert wird und aus drei Schiffen besteht. Der untere Teil des Südschiffes wird durch eine Mauer abgetrennt und bildet gleichzeitig den nördlichen Flügel des Kreuzganges. Im oberen Teil des Südschiffes befindet sich die sogenannte Chorgasse, die als Verbindungsgang zwischen den Wohnräumen der Schwestern und der Nonnenempore dient, die ihren Platz oberhalb des Kirchenportals im westlichen Mittelschiff hat. Zwei Reihen achteckiger Säulen tragen das Kreuzrippengewölbe, das teils mit reichlich verzierten Schlusssteinen versehen ist. Im Jahre 1973 wurde im Kloster das Maria-Martha-Heim für behinderte Mädchen eröffnet. Überregionale Aufmerksamkeit erlangte das Kloster im April 2017, als bekannt wurde, dass die bisherige Äbtissin und eine weitere Ordensschwester um Entlassung aus dem Konvent baten. Nach der Führung über das Klostergelände kehrten wir noch in das angrenzende Klosterstübel ein, bevor wir am Bus unsere Abschiedsfotos machten und die Heimreise nach Berlin antraten.

                    

Dorothea Albrecht & Martin Kodritzki

Fotos: Egon und Roswitha Heimbrodt

 

 

 

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