Geistlicher Impuls

 

März   April

Im Gebet, in der Beziehung zu Gott, öffnen wir den Verstand, das Herz, den Willen für das Wirken des Heiligen Geistes, um in dieselbe Dynamik des Lebens einzutreten, wie der hl. Cyrill von Alexandrien sagt: „Das Wirken des Geistes will uns durch die Gnade in das vollkommene Abbild seiner Erniedrigung verwandeln" (Festbrief 10,4). Die menschliche Logik sucht oft nach der Selbstverwirklichung in der Macht, in der Herrschaft, in den Machtmitteln. Der Mensch will weiter aus eigenen Kräften den Turm zu Babel bauen, um von selbst zur Höhe Gottes zu gelangen, um wie Gott zu sein.

Die Menschwerdung und das Kreuz erinnern uns daran, dass die volle Verwirklichung darin besteht, den eigenen Willen dem Willen des Vaters anzupassen, in dem man sich des eigenen Egoismus entleert, um mit der Liebe, mit Gottes Liebe erfüllt und so wirklich fähig zu werden, die anderen zu lieben.

Der Mensch findet sich nicht, indem er in sich verschlossen bleibt, sich selbst behauptet. Der Mensch findet sich nur, indem er aus sich herausgeht: nur wenn wir aus uns selbst herauskommen, finden wir uns. Und wenn Adam Gott nachahmen wollte, so ist das an sich nicht schlecht, aber er hat sich in der Vorstellung von Gott geirrt. Gott ist nicht nur Größe. Gott ist Liebe, die sich schon in der Dreifaltigkeit und dann in der Schöpfung hinschenkt. Und Gott nachzuahmen bedeutet, aus sich herauszukommen, sich in der Liebe hinzuschenken.

Richten wir in unserem Gebet unseren Blick auf den Gekreuzigten, verweilen wir öfter in Anbetung vor der Eucharistie, um unser Leben in die Liebe Gottes eintreten zu lassen, der sich in Demut erniedrigt hat, um uns zu Ihm zu erhöhen.

Wie der hl. Franziskus vor dem Gekreuzigten sagen auch wir:

„Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe. Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle. Amen." (Gebet vor dem Kreuzbild von San Damiano).

Aus: Papst Benedikt XVI.: Das geistliche Vermächtnis des hl.

Paulus, Audienz 27. Juni 2012.

 

O wunderbare Macht der Hoffnung! Die Welt mag mich bedrängen, mögen auch Feinde sich erheben – ich fürchte nichts, denn auf dich, Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. DU bist meine Hoffnung, denn DU hast hoch oben deine Zuflucht errichtet. Ich habe sie bereits betreten, die Hoffnung hat mich hineingeführt.

„O Mensch", sagte die Hoffnung, „schau, Gottes Zuflucht ist ganz oben! Öffne deine Augen und schau hin: Gott allein ist. ER allein ist das unbegrenzte Meer des Seins. Alles andere ist so, als wäre es nicht, alles hängt von IHM aber, und erhielte ER es nicht, so kehrte es gleich ins Nichts zurück, denn es ist aus dem Nichts geschaffen worden. Bedenke die Macht dessen, der am Anfang Himmel und Erde erschuf! Ist es nicht ER, der alles in allem wirkt? Wer kann ohne IHN seine Hand bewegen? Wer von sich aus etwas denken? Erwäge die Weisheit dessen, der alles in Ruhe lenkt, der alles sieht, vor dessen Augen alles nackt und offen daliegt.

ER, ER allein ist es, der dich zu befreien weiß und dies vermag, ER allein kann dich trösten, ER allein dich retten. Vertraue nicht auf die Söhne der Menschen, bei denen keine Rettung ist.

Das Herz des Menschen ist in Seiner Hand, und ER wird es wenden, wohin ER will. Dieser ist, der dir helfen kann, dir zu helfen weiß, oder sollte dir etwa Sein Wille verdächtig sein? So erwäge Seine Güte, bedenke Seine Liebe. Ist nicht ER der Liebhaber der Menschen, der für die Menschen Mensch wurde und für die Sünder gekreuzigt worden ist? ER ist wahrlich dein Vater, der dich geschaffen, der dich erlöst hat, der dir immer Gutes tat. Wird etwa ein Vater seinen Sohn im Stich lassen? Wirf dich Ihm entgegen, und ER wird dich aufnehmen und retten.

Erforsche die Schrift und du wirst sehen, wie eifrig die so große Majestät Gottes dich mahnt, auf IHN zu hoffen. Warum? Sicherlich, weil ER dich retten will.

Was spricht ER durch die Propheten? Weil er die Hoffnung auf mich gesetzt hat, will ich ihn befreien. Da siehst du, wie ER aus keinem anderen Grund ihn befreien will, als weil er auf IHN gehofft hat. Und was haben die Propheten, was haben die Apostel und schließlich der Herr der Apostel selbst anderes verkündet, als dass die Menschen auf den Herrn hoffen sollen?"

Girolamo Savonarola O.P.. Meditation über den Psalm „In TE, Domine, speravi"