Geistlicher Impuls

 

Februar   März

Mein Herr, ich glaube, erkenne und fühlte, dass Du das höchste Gut bist. Damit meine ich nicht bloß, die höchste Liebe und Güte, sondern auch die alles übersteigende Schönheit. Ich glaube, dass Deine Schöpfung in all ihrer Schönheit nur Staub und Asche ist; sie ist nichts im Vergleich mit Dir, dem unendlich herrlichen Schöpfergott. Ich erkenne, dass die Engel und Heiligen nur deshalb eine solch vollkommene Seligkeit genießen, weil sie Dich schauen. Heilige geraten schon auf dieser Welt in Entzückung, wenn sie nur den Schimmer Deiner Herrlichkeit erblicken.

Auch ich erkenne diese Wahrheit, soweit es in meinem Vermögen liegt, denn Du hast voll Erbarmen Dich mit unserer Natur bekleidet und bis als Mensch zu uns gekommen. Je mehr ich Deine Worte und Werke, Dein Handeln und Leiden im Evangelium betrachte, o Herr, desto wunderbarer, herrlicher und schöner stehst Du vor meinen Augen.

Mein Gott, Du weißt unendlich besser als ich, wie klein meine Liebe ist. Ich ka+nn Dich überhaupt nicht lieben, außer mit Deiner Gnade. Deine Gnade hat die Augen meines Geistes aufgetan und sie befähigt, Deine Herrlichkeit zu schauen. Deine Gnade hat mein Herz berührt und es für die Einwirkungen dessen, was so wunderbar schön und erhaben ist, bereitet.

Was ist mir so nahe wie Du, mein Gott? Und doch stören die Dinge und Freuden dieser Erde Deinen Anblick, wenn Deine Gnade nicht hilft. Behüte Du meine Augen und Ohren und mein Herz! Löse die Bande, wecke auf mein Herz! Halte mein ganzes Sein fest in Dir! Lass mich Dein Angesicht nie aus den Augen verlieren! Und während mein Blick in Dir ruht, lass meine Liebe zu Dir wachsen, täglich mehr!

John Henry Card. Newman, Betrachtungen und Gebete

 
 

Im Gebet, in der Beziehung zu Gott, öffnen wir den Verstand, das Herz, den Willen für das Wirken des Heiligen Geistes, um in dieselbe Dynamik des Lebens einzutreten, wie der hl. Cyrill von Alexandrien sagt: „Das Wirken des Geistes will uns durch die Gnade in das vollkommene Abbild seiner Erniedrigung verwandeln" (Festbrief 10,4). Die menschliche Logik sucht oft nach der Selbstverwirklichung in der Macht, in der Herrschaft, in den Machtmitteln. Der Mensch will weiter aus eigenen Kräften den Turm zu Babel bauen, um von selbst zur Höhe Gottes zu gelangen, um wie Gott zu sein.

Die Menschwerdung und das Kreuz erinnern uns daran, dass die volle Verwirklichung darin besteht, den eigenen Willen dem Willen des Vaters anzupassen, in dem man sich des eigenen Egoismus entleert, um mit der Liebe, mit Gottes Liebe erfüllt und so wirklich fähig zu werden, die anderen zu lieben.

Der Mensch findet sich nicht, indem er in sich verschlossen bleibt, sich selbst behauptet. Der Mensch findet sich nur, indem er aus sich herausgeht: nur wenn wir aus uns selbst herauskommen, finden wir uns. Und wenn Adam Gott nachahmen wollte, so ist das an sich nicht schlecht, aber er hat sich in der Vorstellung von Gott geirrt. Gott ist nicht nur Größe. Gott ist Liebe, die sich schon in der Dreifaltigkeit und dann in der Schöpfung hinschenkt. Und Gott nachzuahmen bedeutet, aus sich herauszukommen, sich in der Liebe hinzuschenken.

Richten wir in unserem Gebet unseren Blick auf den Gekreuzigten, verweilen wir öfter in Anbetung vor der Eucharistie, um unser Leben in die Liebe Gottes eintreten zu lassen, der sich in Demut erniedrigt hat, um uns zu Ihm zu erhöhen.

Wie der hl. Franziskus vor dem Gekreuzigten sagen auch wir:

„Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe. Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle. Amen." (Gebet vor dem Kreuzbild von San Damiano).

Aus: Papst Benedikt XVI.: Das geistliche Vermächtnis des hl.

Paulus, Audienz 27. Juni 2012.